Das Deutsche Apotheken-Museum
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Eine Salbe zum Trinken?

Zwei Fayence-Albarelli mit filigranem blauen Dekor stammen aus der Nikolaus-Apotheke in Nieheim. Das Dekor ist charakteristisch für die frühklassizistische Zeit zwischen 1780 und 1799. Vor allem die Arzneiform ist interessant, die das größere Gefäß enthielt: „Ung: / potabil: / R:“ bedeutet so viel wie „Trinksalbe“.

Die Rezeptur für diese „Unguentum potabile“ findet man schon im Dispensatorium Pharmacopolarum des Valerius Cordus von 1546. Da Cordus sein berühmtes Werk aus älteren Rezeptarien zusammenstellte, kann man davon ausgehen, dass auch diese Rezeptur schon wesentlich älter ist. Die Pharmacopoea Augustana (das Arzneibuch der Stadt Augsburg) von 1597 listet folgende Zutaten auf: Butter, Walrat, Färberkrapp, Blutwurz und Bibergeil. Über die Herstellung informiert Zedlers Universallexikon (1731 bis 1754): „Die Wurzeln und den Wallrath lasset mit der Butter aufkochen in gnugsamer Menge wohlruchenden Weines, bis dieser ganz verrauchet ist. Seiget und presset es durch, thut hernach das gepulverte Bibergeil hinzu, und machet nach der Kunst eine Salbe“. Die Salbe sollte innere Verletzungen heilen bei denjenigen, die von einer Hohe herunter gesturzet sind, […] sie zertreibet das geronnene Blut. Sie wird aber auch bei Quetschungen empfohlen. Das „R“ in der Aufschrift steht vermutlich für „Rubrum“ – rote Trinksalbe, eine Rezeptvariante, die man in Johann Zwelfers Pharmacopeia Regia (1668, S. 285) findet. Hier wird das „Grundrezept“ noch um Alant und Iris, Safran, Alkannawurzel und Rotwein erweitert. Mit Farberkrapp, Alkannawurzel und Safran sind drei intensive Färberpflanzen sowie der „färbende“ Rotwein enthalten – genug, um den Zusatz „rubrum“ zu rechtfertigen! „Machet also eine Salbe, welche sowohl innerlich als äusserlich kann gebrauchet werden“, kann man in Zedlers Übersetzung lesen.

Text: Petra Nemethova