Der Apotheker in der Karikatur

Das Deutsche Apotheken-Museum besitzt eine umfangreiche Grafik-Sammlung, die in unterschiedliche Schwerpunkte gegliedert ist. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei Karikaturen rund um das Thema Heilkunde.

Die älteste Karikatur und gleichzeitig wertvollste Zeichnung im Museumsbestand ist dem barocken Umfeld der sogenannten „Carracci-Schule“ zuzuordnen, sie entstand im 17. Jh. Annibale Carracci (1560-1609) entstammt einer bekannten italienischen Malerfamilie, die eine Vielzahl von Schülern ausbildete und auf Zeitgenossen wie Nachfolger großen Einfluss ausübten. Aufgrund der Versuche des berühmten italienischen Barockmeisters, Gesichtszüge charakteristisch zu überzeichnen, wurde es regelrecht modern, bestimmte Eigenheiten eines Menschen oder Berufsstandes pointiert herauszuarbeiten. Es entstand – von Bologna ausgehend – geradezu eine Flut von Karikaturzeichnungen aus den Federn verschiedenster Meister. Dafür stellt die die Zeichnung (Abb. 1) ein sehr schönes Beispiel dar: Sie entstand wohl in der Mitte des 17. Jahrhunderts und ist in der Nachfolge des führenden Bologneser Malers Bartolomeo Passarotti (1529-1592) zu sehen. Sie zeigt das Brustbild eines im Halbprofil dargestellten Pharmazeuten mit Mörser. Theoretische, praktische und soziale Elemente des Berufsbildes werden dabei mit physiognomischen Eigenarten des Mannes und bestimmten Attributen des Berufsstandes angedeutet.

Als Apotheker weist sich der gesetzt wirkende ältere Herr durch den italienischen Barockmörser aus. Stößel und Mörser hält er in sehr kräftigen Händen, Zeichen einerseits für seine stattliche Erscheinung, aber auch als Sinnbild für die handwerkliche Tätigkeit des Berufsbildes gedacht, bei dem körperliche Stärke natürlich von Nutzen war. Neben der handwerklichen Tätigkeit war aber auch ein fundiertes theoretisches Wissen des Apothekers vonnöten. Auf Gelehrsamkeit und Belesenheit weist als Attribut die Brille hin, die sich mit den Gesichtszügen ganz selbstverständlich und schwungvoll in einer Linie vereint. Konzentration und Nachdenklichkeit spiegeln sich in seinem Antlitz wieder. Während er sorgfältig seine Tätigkeit verrichtet, nutzt er, der täglich mit Heilung einerseits und dem Tod andererseits zu tun hat, den gleichmäßigen Bewegungsablauf beim Verreiben der Substanzen zum gedanklichen Abschweifen und vielleicht zur Pflege kontemplativer Gedanken. Das füllige Gesicht spiegelt dabei aber nicht den entsagenden Asketen, sondern einen erfolgreichen und gutsituierten Mann wieder. Die 22 x 17 cm große Zeichnung ist auf Papier mit Feder und Eisengallustinte ausgeführt.

Für uns heutige Zeitgenossen wesentlich einfacher als Karikatur zu erkennen ist eine der jüngsten Neuerwerbungen. Die Tuschzeichnung (Abb. 2) entstammt der Feder des sehr jung verstorbenen Karikaturisten Josef Benedict Engl (1867 bis 1907). Ab 1896 wirkte er als Mitarbeiter des berühmten Satireblattes „Simplicissimus“. In seinen ersten Jahren beim „Simpl“ veröffentlichte er Zeichnungen, in denen die politische Grundeinstellung der Redaktion deutlich zum Ausdruck kam. Zu seinen späteren Lieblingsmotiven wählte der energische Vertreter „bayerischer Belange“ dann gerne "Münchner Vorstadttypen": Die Hofbräuhäusler, den Landpfarrer, aber auch das bayerische Militär und den bayerischen Adel nahm er aufs Korn. In diese Zeit seines Schaffens fällt auch die oben gezeigte Zeichnung „Der Landapotheker“. Engl war einer der wenigen Simplicissimus-Mitarbeiter, die auch die Texte für ihre Zeichnungen selbst verfassten. So lebt auch diese Karikatur über die unschuldig-einfältige Hoffnung des ohnehin zu dieser Zeit leicht belächelten Typus des „Landapothekers“ auf den begehrten Bayerischen Verdienstorden von der unmittelbaren und lebendigen Text-Bild-Kombination.

Abbildungen:
Abb. 1: "Caracchi-Schule" - Der Apotheker: Inv.-Nr. VII B 545, Tuschzeichnung in Eisengallustinte, Italien Mitte des 17. Jh., Zeichnung ca. 22 x 17 cm.

Abb. 2: Josef Benedict Engl, Der Landapotheker, Simpicissimus, 1904. Tuschzeichnung auf festem Bütten (Schoellershammer),  Zeichnung ca. 27 x 36,2 cm. Unten rechts Monogramm von J. B. Engl. Text: "Auf Ihr Abführmittel konnte Hoheit drei Tage lang das Schloß nicht verlassen. Wo dachten Sie denn hin?" "Unter uns gesagt, an den Verdienstorden!". Inv.-Nr. VII B 854.

Text: Elisabeth Huwer, Deutsches Apotheken-Museum