Das Deutsche Apotheken-Museum
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Portrait eines Unbekannten - Apotheker oder Arztes?

Im Jahr 2010  konnte als seltenes Zeitzeugnis ein Portrait aus dem mittleren 18. Jahrhundert erworben werden. Es wird vom Anbieter in Verbindung gebracht mit der Löwen-Apotheke in Mölln (Schleswig-Holstein). Als Besitzer der 1637 gegründeten Apotheke nennen die Quellen für das 18. Jahrhundert die Familien Schmaltz und Molle in je zwei Generationen sowie ab 1764 Apotheker Wilhelm Boye. Ob und wenn ja welcher dieser Besitzer darstellt wird, ist jedoch nicht geklärt.

Das Bildnis zeigt einen Mann mittleren Alters mit kurzer Perücke, der den Betrachter direkt anblickt (siehe Titelblatt, Lossen-Foto, Heidelberg). Der leicht geöffnete schwarze Mantel lässt ein kostbares weißes Spitzenjabot sowie an der rechten, ringgeschmückten Hand eine weiße Spitzenmanschette erkennen.

Die weiteren Bilddetails betten ihn in sein berufliches Umfeld ein. Ein grüner Vorhang hinter dem Portraitierten ist zurückgehoben und gibt den Blick frei auf ein Repositorium, darin aufgereiht Gefäße aus Holz und Zinn, mit Kork verschlossene Vierkantgläser sowie blau bemalte Fayencen. Die Zinn- und Glasgefäße tragen weiße, schräg über die Wandung verlaufende Schriftfahnen. Die rechte Hand ruht auf einem Buch. Darunter schaut ein Papier hervor mit einer Rezeptanweisung für „Pillulae Aloephanginae“, ein aromatisches magenstärkendes Mittel. Auf dem Tisch liegen eine Handwaage, Drachmen- und Obolusgewichte sowie eine Reibschale.

 All diese Details könnten auf das Porträt eines Apothekers hindeuten. Doch ungewöhnlich ist die Aderlasslanzette auf dem Buch. Das Aderlassgerät war gewöhnlich dem Arzt oder Bader vorbehalten. Zeigt das Bildnis vielleicht einen Arzt, der das Dispensierrecht hatte?

Die Erwerbung wurde vom Förderverein Deutsches Apothekenmuseum ermöglicht!

Text: Elisabeth Huwer, Deutsches Apotheken-Museum